Die „friesische Gilde“ am Lehrerseminar in Tondern (1874-1894)
Am Donnerstag, dem 27. August, findet der letzte Abend unseres diesjährigen „Nordfriesischen Sommerinstituts“ statt; er widmet sich einem Forschungsprojekt aus dem Institut selber: 1874 gründeten junge Männer aus Nordfriesland, die sich in Tondern zu Volksschullehrern ausbilden ließen, einen Friesenclub, nach dem Vorbild von Studentenverbindungen - ein Status und Lebensstil, der Seminaristen eigentlich nicht zustand. Seminaristenverbindungen weckten daher grundsätzlich das Misstrauen der preußischen Behörden; der Tonderaner Seminardirektor wurde schließlich ministeriell ermahnt, seiner Aufsichtspflicht besser nachzukommen. Die jungen Leute in der „friesischen Gilde“ feierten, sangen und diskutierten bierselig miteinander über friesische Geschichte und Identität; darüber führten sie ausführlich Protokoll, und zwar in verschiedenen nordfriesischen Dialekten, zu einer Zeit, in der nur selten auf Friesisch geschrieben wurde und es noch rege Diskussionen zum Beispiel um die korrekte Rechtschreibung gab. Dieses Protokollbuch wurde 2019 im Archiv des Dr.-Carl-Häberlin-Friesen-Museums auf Föhr wiederentdeckt und wird seither vom Nordfriisk Instituut gemeinsam mit der Frisistik der Europa-Universität Flensburg untersucht. “Der sogenannte Friesenclub war quasi der erste friesisch-nordfriesische Verein überhaupt. Diese Aufzeichnungen sind ein einzigartiges Zeugnis von dem, was jungen Menschen für 150 Jahren, im Kaiserreich, ihre nordfriesische Herkunft bedeutete. Und natürlich auch, wie sie sich selber sahen, wie sie sprachen und wie sich Friesisch allmählich zur Schriftsprache entwickelte“, erläutert Institutsdirektor Christoph G. Schmidt.
Die historischen, sprachlichen und inhaltlichen Erkenntnisse aus mehreren Jahren Forschung werden Antje Arfsten, Franziska Böhmer, Claas Riecken und Lena Terhart referieren, unterstützt von Samantha Litty von der Europa-Universität Flensburg. Außerdem werden gemeinsam Lieder gesungen, welche in dem Buch erwähnt und zitiert werden.
Der Vortrag beginnt um 19 Uhr 30 im Nordfriisk Instituut. Die Nord-Ostsee-Sparkasse fördert die Reihe Sommerinstitut; der Eintritt ist daher frei, es wird jedoch um eine Spende gebeten.

