Am 6. April 2026 ist Peter Nissen, der aus Uphusum/Bordelum stammte und seit rund 40 Jahren in Bargteheide lebte, nach kurzer, schwerer Krankheit in Hamburg gestorben. Geboren wurde er am 20. April 1957 in seinem Elternhaus in Bordelum, das er später immer als zweites Standbein nutzte, wenn er zu den zahlreichen Vorstandssitzungen, Treffen und Veranstaltungen in Nordfriesland kam, die er ehrenamtlich wahrnahm. Seit 2000 war er im Vorstand des Nordfriesischen Instituts tätig, seit 2004 stellvertretender Vorsitzender und bereits seit 1987 Redaktionsmitglied der Zeitschrift „Nordfriesland“. Im nordfriesischen Theater-Verein „Et Nordfriisk Teooter“ war er 2016 Gründungsvorsitzender und später weiterhin im Vorstand. Seine private Leidenschaft galt der Familienforschung Nordfrieslands.
Nach der Grundschule in Bordelum und dem Abitur in Niebüll studierte Peter Nissen in Kiel Englisch, Philosophie und Friesisch. Bereits als Jugendlicher hatte er in Abendkursen beim damaligen Leiter des Nordfriisk Instituut, Tams Jörgensen, Friesisch (Frasch) gelernt. Peter Nissens Muttersprache jedoch war Plattdeutsch. Und Plattdeutsch wurde zusammen mit Friesisch sein Lebensthema, Peter Nissen lebte für diese beiden Sprachen und Kulturen. Mitte der 1980er-Jahre begann er als Dramaturg beim Ohnsorg-Theater in Hamburg, fand dort in Hartmut Cyriacks (1955-2022) einen kongenialen Kollegen und gründete mit diesem später in Hamburg die auf Plattdeutsch spezialisierte „Textmanufaktur Cyriacks&Nissen“. Hier waren beide als Freiberufler vor allem für das Ohnsorg-Theater und den NDR, aber auch für andere Auftraggeber tätig. Sie übersetzten zahllose Stücke für die Bühne auf Plattdeutsch, schrieben Bücher, produzierten Hörspiele und übersetzten eine Vielzahl von Werken ins Plattdeutsche, darunter mehrere Asterix-Bände, aber auch William Shakespeare und Dylan Thomas. Peter Nissen coachte bis zuletzt Schauspieler*innen, bis die Aussprache perfekt saß. Er unterhielt viele Kontakte in die gesamte plattdeutsche Kulturszene Norddeutschlands.
Davon profitierte das Nordfriisk Instituut, zumal er sein friesisches Engagement fast nur ehrenamtlich wahrnahm. Dass er und Hartmut Cyriacks mehr ehrfürchtig als augenzwinkernd „die beiden Plattdeutsch-Päpste“ genannt wurden, beschreibt sein hohes Ansehen. Den nordfriesischen Schreibwettbewerb „Ferteel iinjsen!“ prägte er über 25 Jahre. Damit legte er den Grundstein für eine moderne friesischsprachige Literatur. Der Tams-Jörgensen-Preis trägt seine unverwechselbare Handschrift. Peter Nissen war für uns ein wertvoller Ratgeber und unprätentiöser Mentor, in zahlreichen Situationen der diplomatische, ausgleichende Faktor, geistreich und lebensnah, mit großer Erfahrung und feiner Diskretion. Seine Gabe als mitreißender Erzähler voll Esprit und Witz machte vieles leicht.
Peter Nissen, unser Zweiter Vorsitzender, Redaktionskollege und Freund, wir vermissen ihn schon jetzt.

