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Dr. Johannes Jensen - letzter Gründer des Nordfriisk Instituut gestorben

Zu den Mitbegründern des Nordfriisk Instituut in Bredstedt im Jahre 1965 zählte der Gymnasiallehrer Dr. Johannes Jensen, der am 21. Februar 2020 im Alter von 91 Jahren verstarb. Er war der letzte der vier Gründer des Instituts und in diesem Quartett eine Besonderheit: Die entscheidende Vorbesprechung zusammen mit den drei anderen Tams Jörgensen (1924–1987), Dr. Hans-Christian Nickelsen (1934–1983) und Reimer Kay Holander (1925–2013) fand am 26. Juli 1964  in Jensens Wohnung in Tiebensee bei Heide statt, wo er damals Studienassessor war – und er war der einzige von ihnen, der sich mit der Institutsgründung keinen eigenen Arbeitsplatz schuf; er blieb ehrenamtlicher Inspirator. Der neuen Folge des Nordfriesischen Jahrbuch ab 1965 gab er die wissenschaftliche Richtung vor.

Ein geistiger Pionier für die Arbeit des Nordfriisk Instituut war er bereits 1957 mit seiner Doktorarbeit geworden: „Nordfriesland in den geistigen und politischen Strömungen des 19. Jahrhunderts“, eine wegweisende Untersuchung. Hier arbeitete er den Kern der sprachlichen, kulturellen und nationalen Frage der nordfriesischen Geschichte heraus und machte deutlich, dass friesische Bestrebungen zwischen Deutsch und Dänisch seit 200 Jahren oft fast zerrieben worden sind. Seine mit Preisen der Kieler Universität und der Universitätsgesellschaft in Husum prämierte Doktorarbeit erschien erstmals 1961 als Buch und wurde 1993 vom Nordfriisk Instituut neu herausgegeben. Spätere Verfasser von Geschichtswerken zum Sprachbewusstsein, zur friesischen Bewegung oder zur Sprachforschung in Nordfriesland haben alle dankbar von ihm profitiert.

Johannes Jensen wurde am 3. November 1928 als Bauernsohn in Kollund bei Viöl geboren und ist dort mit Plattdeutsch aufgewachsen. Dieses Gebiet gehört zwar zu Nordfriesland, aber als Friese sah er sich nicht, seine Vorfahren hatten noch Süderjütisch gesprochen. Wo immer er wirkte, wurden seine Ruhe und Besonnenheit, aber auch seine Weltoffenheit und Toleranz hervorgehoben. Als Lehrer war er in Heide, Lütjenburg, als Reiselektor für Deutsch an dänischen Schulen und von 1976 bis zur Pensionierung 1991 als Schulleiter der traditionsreichen deutschen St. Petri-Schule in Kopenhagen tätig.

Das Nordfriisk Instituut trauert um seinen letzten Gründer, der 2002 zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Institutsdirektor Dr. Christoph G. Schmidt nahm an der Trauerfeier in Lütjenburg teil. Johannes Jensens Todestag lässt sich leicht merken: der 21. Februar, der Tag des Biikebrennens.