geöffnet
Aktuelles
An Sönke Nissens Reichtum klebte Blut

Im Rahmen der Vortragsreihe Nordfriesisches Sommer-Institut referierte der Historiker Marco Petersen von der Dansk Centralbibliotek in Flensburg am Mittwoch, dem 24. Juli vor rund 80 Zuhörern über das Leben von Sönke Nissen (1870–1923). Der Vortragstitel lautete: „Deiche, Diamanten und der Tod“. Petersen machte deutlich, dass Nissen bis in die heutige Zeit als eine Art Lichtgestalt verehrt wird. Er war in Klockries bei Niebüll als Handwerkersohn geboren und als Eisenbahn-Ingenieur in deutschen Kolonien in Afrika zu Reichtum gekommen. Er sprang 1922 mit einem Teil seines Vermögens für die Finanzierung eines neuen Kooges in Nordfriesland ein, der dann nach ihm benannt wurde: der Sönke-Nissen Koog von 1926, der zur Gemeinde Reußenköge gehört. Den ersten Spatenstich 1924 erlebte Nissen nicht mehr, da er 1923 auf seinem Gut Glinde bei Hamburg gestorben war. Der Referent zeigte in seinem Vortrag die Puzzlesteine des Mythos um Sönke Nissen auf, die eine umfassende Sicht bisher versperrt haben. Dazu gehören die friesisch-dörfliche Herkunft Nissens, der Beruf des Ingenieurs, der lange als der „deutscheste aller Berufe“ galt, der Einsatz für die Heimat als zurückgekehrter erfolgsgekrönter Mann und die Tatsache, den endgültigen Erfolg nicht mehr miterlebt zu haben

Nissens Reichtum war vor allem dadurch entstanden, dass beim Eisenbahnbau eine große Diamantenmine entdeckt wurde, an der er sich Anteile sicherte. Marco Petersen, der in Namibia, dem früheren Deutsch-Südwestafrika, im Staatsarchiv geforscht hat, konnte nachweisen, dass Nissen seine afrikanischen Arbeiter außergewöhnlich schlecht bezahlte, dass er auch afrikanische Zwangsarbeiter beschäftigte und dass es eine Todesrate von 67% bei diesen Zwangsarbeitern gab. Die Menschen starben an Entkräftung, Unterernährung und Krankheiten. Nissens Beteiligung am neuen Koog in Nordfriesland war keinesfalls eine mildtätige Gabe, sondern er ging auch hier berechnend vor und sicherte seiner eigenen Familie 40% des neuen Landes.

An den Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussion an, mit dem Vorschlag, eine neue – und auch kritische – Betrachtung Sönke Nissens im Koog vorzunehmen. Das kann durch eine Gedenktafel geschehen, aber auch andere Ideen sind dem Nordfriisk Instituut willkommen.

Der nächste Vortrag in der Reihe Nordfriesisches Sommer-Institut steht am 7. August auf dem Programm. Der Archäologe und Direktor der Institution „Ostfriesische Landschaft“, Dr. Rolf Bärenfänger, spricht über Geschichte und Aufgaben seines Hauses. Beginn ist um 19.30 Uhr im Nordfriisk Futuur, Süderstr. 30 in Bredstedt.