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Nordfriesische Geschichte in Liedern Band 1

Das neue Buch des Nordfriisk Instituut erzählt anhand von Liedern nordfriesische Geschichte nach 1945. Autor Claas Riecken (links) und Institutsdirektor Christoph G. Schmidt präsentieren es pandemiekonform ohne Publikum auf dem Deich bei Schlüttsiel (Fotos: Franziska Böhmer).

Eigentlich sollte es eine musikalisch-historisch-literarische Party werden. Aber wie so vieles kann auch die geplante Vorstellung des neuen Buches aus dem Nordfriisk Instituut nicht so erfolgen wie gedacht. Die Feier wird nachgeholt, aber die „Nordfriesische Geschichte in Liedern, Bd.1“ ist ab sofort zu bekommen.

Knut Kiesewetters Lied vom „Fresenhof“, eine militärfreie Version von „Lili Marleen“ auf Helgoländer Friesisch, der festlandfriesische „Biikensung“ von 1974, aber auch „Nun danket alle Gott“, friesische Kinderlieder zu bekannten Melodien, Kalle Johannsens Vertonung eines Gedichtes von Jens Mungard, der im Konzentrationslager Sachsenhausen ums Leben kam, oder auch das bekannte „Westerland“ von den „ Ärzten“ – bestimmte Musik verbinden viele mit besonderen Momenten, mit Erinnerungen, mit einem bestimmten Lebensgefühl, und das gilt auch für soziale Gemeinschaften wie die (Nord-)Friesen. Das neue Buch des Nordfriisk Instituut kommt nicht gerade alltäglich daher: Es ist ein Geschichts-, ein Geschichten- und ein Musikbuch in einem. Band 1 umfasst die Zeit von den Nachkriegsjahren bis heute; drei weitere Bände sind geplant und sollen sich nach und nach den früheren Epochen widmen.

Fast ein Jahr hat der Historiker Claas Riecken an diesem Buch gearbeitet, mit Zeitzeugen gesprochen, Archive besucht und aus der Fülle möglicher Themen ausgewählt, um diesen ersten Teil einer „Liedergeschichte“ zu schreiben. 23 Lieder, die für die Geschichte und Kultur der Nordfriesen ab 1945 eine Rolle gespielt haben oder exemplarisch für bestimmte Stile und Vorlieben stehen, entfalten ein Panorama an nordfriesischer Geschichte aus den letzten knapp acht Jahrzehnten. Anhand von Biografien der Textdichter, Lebensläufen der Komponisten, von Inhalten der Lieder, ihrer Motivation und Verwendung beleuchtet der Autor den wechselnden Zeitgeist, die Suche nach friesischer Identität, die „große Politik“ und das sich verändernde Regionalbewusstsein; an Beispielen werden vergebliche Versuche geschildert, Plattdeutsch und Friesisch im Pop zu etablieren, aber auch Auswüchse des Massentourismus und der hemmungslosen Vermarktung eines friesisch-plattdeutsch tümelnden Lebensgefühls. Die meisten der vorgestellten Lieder sind in friesischer Sprache verfasst, einige in Platt- und Hochdeutsch; durchweg sind deutsche Übersetzungen beigefügt.

Der Direktor des Nordfriisk Instituut, Christoph G. Schmidt, der auch über eine klassisch-musikalische Ausbildung verfügt, hat zwei „Zugaben“ aus der Popmusik beigesteuert, vor allem aber für die meisten der vorgestellten Lieder stilistisch passende Begleit- und Chorsätze geschrieben. So ist es zugleich ein Musizierbuch, welches durch Singen und Spielen ermöglicht, Personen, Emotionen und Entwicklungen der neueren Geschichte der Nordfriesen über die zugehörige Musik zu spüren und so mitzuerleben.

Das Buch umfasst 212 Seiten, 23 Lieder mit Noten und Sätzen und kostet 24,90 €. Es kann im Buchhandel oder direkt beim Nordfriisk Instituut erworben werden. Die festliche Präsentation mit vielen Musikerinnen und Musikern wird nachgeholt, sobald die Pandemie es wieder zulässt, verspricht Institutsdirektor Schmidt.