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müsdök / mösduk hat gewonnen!

Bis Ende Mai lief der gemeinsame Wettbewerb der Friisk Foriining und des Nordfriisk Instituut: Gesucht wurde das beste nordfriesische Wort für „Nasen-Mund-Schutz“, „Mundschutz“ oder „Maske“ - auf Nordfriesisch gab es bislang noch kein passendes Wort. Viele Friesischsprecher sagten zunächst das hochdeutsche „Mask(e)“, später auch das plattdeutsche „Snuten-Pulli“, das sich in letzter Zeit verbreitet hat. Die Journalistin Dr. Karin Haug hatte die Idee für den Wettbewerb; es kamen fast 230 Einsendungen von rund 200 Einsendern aus nahezu allen nordfriesischen Dialektgebieten und von außerhalb zusammen, viel mehr als es sich die Organisatoren erträumt hatten.

Die Jury beriet am 2. Juni im Nordfriisk Instituut und kürte das Siegerwort: „mösduk“ auf Föhrer Friesisch, das man ohne weiteres in den festlandsnordfriesischen Hauptdialekt Frasch übertragen kann - dort heißt es dann „müsdök“, in beiden Dialekten also fast identisch. Die wörtliche deutsche Übersetzung lautet ‚Mundtuch‘. Eingereicht wurde „mösduk“ unabhängig voneinander von vier verschiedenen Seiten, darunter einer Grundschulklasse. Sie alle erhalten als Preis ein müsdök / mösduk in den nordfriesischen Farben gold-rot-blau und einen Restaurant-Gutschein.

Die Diskussion der Jury war von dem Gedanken getragen, dass es ein leicht zu sprechendes und verständliches Wort sein sollte, das möglichst ähnliche Entsprechungen in anderen nordfriesischen Dialekten haben sollte. So hatten etwa „Corona-Skuaniger“ auf Sylter oder „Nees-Paik“ auf Helgoländer Friesisch keine großen Chancen. Auch „nösslont“ (Inselkompatibel) und „snüteweer“ (Festland) konnten sich nicht durchsetzen. Rund zehn Einsender hatten das festlandsnordfriesische Wort „snüteklüt“ geschickt, das aber auf Inselfriesisch „nicht läuft“, außerdem ging es der Jury zu sehr in die augenzwinkernde Richtung des plattdeutschen „Snuten-Pulli“. Es sollte ein ernsthaftes Wort sein, aus Respekt vor der friesischen Sprache und ihren Sprechern – und weil es ein ernstes Thema ist: die Corona-Pandemie. So schieden witzige Vorschläge wie „süüsen bremser“ (Kuss-Bremser) und „ruuwerdök“ (Räubertuch) aus.

In plattdeutschen Foren gibt es derzeit harte Diskussionen, ob man der Sprache nicht schadet, wenn man sie ständig auf das Humorvolle reduziert. „Snuten-Pulli“, „Ackersnacker“ (Handy), „Huulbessen“ (Staubsauger, wörtl. ‚Heulbesen‘) oder „Plüschmoors“ (Hummel) finden manche einfach nur lächerlich, gehen dagegen an, erhalten dafür aber massenwhaft empörte Reaktionen. Mit dem Vorurteil, dass es sich um eine „niedliche“, „witzige“ Sprache handelt, hat das Friesische jedoch wenig bis gar nicht zu kämpfen. Ob die Menschen das neue Wort auch wirklich in den Mund nehmen werden, wird die Zukunft zeigen.