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Aktuelles
Besuche aus der Politik

Astrid Damerow (MdB) trägt sich in das Gästebuch des Nordfriisk Instituut ein. (Foto: Benjamin Drozdz)

V.l.: Christoph G. Schmidt, Astrid Damerow (MdB), Peter Nissen (Foto: Benjamin Drozdz)

Bundestagskandidat Stefan Seidler testet seine Sprachfähigkeiten an der Friesisch-Karaokestation im Nordfriisk Futuur. (Foto: SSW)

V.l: Lillie Marie Rachenpöhler, Peter Nissen, Sibylla Nitsch, Christoph G. Schmidt, Stefan Seidler (Foto: SSW)

Es ist Wahlkampf, eine gute Zeit, um friesischen Anliegen politisches Gehör zu verschaffen. Diese Woche haben sich mit Astrid Damerow, MdB (CDU), und Stefan Seidler (SSW) (in Begleitung der Kreisvorsitzenden Sibylla Nitsch) Bewerberinnen und Bewerber für den Bundestag aus gleich zwei Parteien bei uns eingeladen. Beide Gesprächsrunden verliefen offen und zugewandt, die Gäste haben sich viel Zeit genommen, und beide Gespräche haben wir genutzt, um nicht nur die bewährten Kontakte zu pflegen, sondern auch einige wunde Punkte anzusprechen. Und durchweg würde Unterstützung signalisiert. "Mit der Politik haben wir im Moment erstaunlich wenig Probleme. Es ist die Verwaltung, die uns derzeit echte Hindernisse in den Weg legt", so Peter Nissen, zweiter Vorsitzender des Vereins Nordfriesisches Institut e.V.

Außer Bereichen, die das Institut direkt betreffen, wurden auch aktuelle Handlungsfelder angesprochen, welche für die Nordfriesen, ihre Sprache und Gesellschaft allgemein von Belang sind: Friesisch als Schulfach bringe nur dann etwas, wenn der Unterricht über ein spielerisches Kennenlernen der Sprache deutlich hinausgehe und echte Sprachkompetenzen erworben werden könnten; das gehe nicht ohne verbindliche Vorgaben seitens der Landespolitik und nicht ohne zusätzliche Planstellen. Minderheitenarbeit brauche mehr Professionalität und Verlässlichkeit durch eine stärker institutionelle Förderung anstelle von Projekten im Jahrestakt. Immer wieder werde ehrenamtliche Arbeit missbraucht, um Defizite staatlichen (z.B. in Bezug auf die Erstellung von Unterrichtsmaterial) oder öffentlich-rechtlichen (z.B. in Bezug auf Rundfunk und Medien) Handelns zu übertünchen. Aber auch die Verkehrsinfrastruktur war Thema: Nordfriesland sei der einzige Kreis in Schleswig-Holstein ohne jede Autobahn, so Nissen; auch der Nahverkehr zwischen Ost- und Westküste sei auffällig unterentwickelt, ergänzte Institutsdirektor Christoph Schmidt.

Im Gespräch mit dem SSW-Kandidaten Seidler wies Schmidt darauf hin, dass die Sprecherzahlen wie auch die Anzahl der Menschen, die sich darüberhinaus zugehörig fühlen, bei der nordfriesischen Volksgruppe und der dänischen Minderheit vergleichbar seien; gleichwohl werde die nordfriesische Volksgruppe finanziell wie institutionell vergleichsweise marginal gefördert, erkennbar fehle der politische Druck durch einen "Mutterstaat". Entsprechend gering seien die eigenen Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Die Zusammenarbeit mit der dänischen Minderheit und ihrem Netzwerk an Einrichtungen funktioniere zwar auf lokaler Ebene gut; bei offiziellen Anlässen und auch bei entscheidenden Gesprächen zur Grenzregion und ihren Minderheiten jedoch würden die Nordfriesen gerne übersehen.