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"Gemeinsam das Friesische in die Zukunft bringen"

Am 16. September tagte im Nordfriisk Instituut in Bredstedt der „Beratende Ausschuss für Fragen der friesischen Volksgruppe“, der dem Bundesinnenministerium zugeordnet ist. In diesem höchsten Gremium für friesische Angelegenheiten in Deutschland sind Nord-, Ost- und Saterfriesen, die niederländischen Westfriesen und die zuständigen Ministerien des Bundes, der Länder Schleswig-Holstein und Niedersachsen vertreten, dazu das Minderheitensekretariat Berlin unter Leitung von Judith Scholzina und der Minderheitenbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, Johannes Callsen. Als Gäste nahmen die Bundestagsabgeordneten Astrid Damerow und Mathias Stein sowie Vertreter friesischer Jugendorganisationen an der Sitzung teil. Die Leitung des Gremiums liegt bei dem Bundesbeauftragten für Minderheiten, Bernd Fabritius.

Institutsdirektor Christoph G. Schmidt führte die Gäste durch den Ausstellungsbereich und das Klimamagazin des Nordfriisk Instituut, die in den letzten Jahren vor allem mit Fördermitteln des Bundes errichtet worden waren. „Wir fühlen uns geehrt, dies ist der höchstrangige Besuch seit mehreren Jahren in unserem Haus“ betonte Schmidt; Fabritius zeigte sich beeindruckt, das Nordfriisk Instituut und Nordfriisk Futuur seien eine wirklich schöne und gute Institution.

In der anschließenden Sitzung wurden aktuelle Projekte vorgestellt, die aus Bundes- und Landesmitteln der Minderheitenförderung finanziert werden; mehrfach wurde eine Beschleunigung der Genehmigungsverfahren angemahnt, es sei in den letzten Jahren fast zur Regel geworden, erst im Sommer mit Projekten beginnen zu können, die gleichwohl bis zum Jahresende abgeschlossen werden müssten. Die Vertreter des Bundeskulturministeriums, Sebastian Saad, sowie des Landes Schleswig-Holstein, Heike Schmidt und Johannes Callsen, zeigten Verständnis und sagten zu, dieses Problem verstärkt in den Blick zu nehmen.

Anschließend diskutierten die Ausschussmitglieder Fragen des friesischen Schulunterrichts, der seit Jahren immer mehr zu Gunsten vermeintlicher Kernfächer zurückgedrängt wird; mehrfach wurde der Wunsch an die Vertreter der Länder ausgesprochen, eine Anerkennung als reguläres Schulfach und somit Wertschätzung durch Benotung zu ermöglichen. Dem stehe jedoch die fortgesetzte bundesweite Vereinheitlichung des Schulunterrichts und damit des Fächerkanons entgegen.

Ebenfalls Thema waren die Errichtung einer Stiftung für die friesische Volksgruppe, in der die derzeitigen Fördergelder gebündelt und somit unbürokratischer zugänglich gemacht werden sollen. In Schleswig-Holstein ist das entsprechende Gesetzgebungsverfahren bereits im Gange; einhellig wurde der Rückzug Niedersachsens aus dem Vorhaben bedauert. Es wurde klar, dass nach wie vor nicht definiert ist, ob der Minderheitenstatus an der Sprache hängt – was bedeuten würde, dass die Plattdeutsch sprechenden Ostfriesen nicht Teil der friesischen Minderheit und somit nicht von einer möglichen Förderung umfasst wären – oder aber am Selbstverständnis der jeweiligen Gruppe. Die Vertreter der Ostfriesen betonten, dass sie sich unbedingt als Teil der friesischen Minderheit sähen.

Ein weiteres Themenfeld war die Jugendarbeit: Wie lässt sich friesische Kultur, insbesondere friesische Sprache an die nächsten Generationen weitergeben, und das in einer Umgebung, die durchweg deutsch dominiert ist? Der Geschäftsführer des Friisk Foriining, Ilwe Boysen, betonte, dass nur Kontinuität nachhaltig sei; einmalige Veranstaltungen mit Eventcharakter seien erfahrungsgemäß wenig hilfreich. Sein Kollege vom Nordfriesischen Verein, Jörgen Vilsmayer-Nissen, ergänzte, es sei wichtig, dass die beiden großen nordfriesischen Verbände hier an einem Strang zögen; Sprache in die Zukunft zu bringen, sei deren gemeinsame Aufgabe. Der Minderheitenbeauftragte Fabritius regte an, sich hierzu stärker mit den deutschen Minderheiten im Ausland zu vernetzen; sie ständen vor vergleichbaren Problemen, von ihrer Erfahrung könne man sicher profitieren. Grundsätzlich empfehle er, keine vorgefertigten Programme anzubieten, sondern die Jugendlichen selber entwickeln zu lassen, woran sie Interesse haben; vor allem Sport sei erfahrungsgemäß ein geeigneter Anlass zur Sprachpflege.

Bildquelle: Nina Barz (NFI)
In der Bildmitte der Bundesbeauftragte für die nationalen Minderheiten, Bernd Fabritius.